20 Jahre Eltern-Kind-Zentrum

Weniger Kinder, mehr Hilfebedarf

20 Jahre Eltern-Kind-Zentrum in Mittweida: Auch wenn die Kinderzahlen sinken, sind Frühförderung und Familienberatung sehr gefragt.

„Die Kinderzahlen sinken, trotzdem ist der Bedarf an Frühförderung sowie Erziehungs‑ und Familienberatung hoch“, stellten Mittweidas Oberbürgermeister Ralf Schreiber und Bernd Merkel, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Rochlitz, fest. Beim Tag des offenen Eltern‑Kind‑Zentrums am 9. September 2026 zeigten die Diakonie-Mitarbeitenden am Bürgerkarree eindrucksvoll, wie viel Fachkompetenz und Herzblut hinter ihrer sozialen Arbeit stehen.

Vor zwei Jahrzehnten begann die Diakonie damit, ihre verschiedenen Beratungs‑ und Unterstützungsangebote in einem zentralen Gebäudekomplex zu bündeln. War die Hilfe zuvor in der Stadt verteilt, arbeiten seit 20 Jahren Frühförderung, Behindertenhilfe, Erziehungs‑ und Familienberatung sowie die Kirchenbezirkssozialarbeit eng vernetzt unter einem Dach. Geschäftsführer Bernd Merkel erinnerte daran, dass die Diakonie bereits bei der Raumkonzeption mitwirken konnte. Barrierefreiheit gehörte von Beginn an zur Planung: Rollstuhlrampen und Aufzug sichern den Zugang, auch wenn die Hanglage des Komplexes die bauliche Umsetzung erschwerte. Merkel bedankte sich ausdrücklich bei Stadt und Landkreis: „Soziale Arbeit funktioniert nur mit starken Partnern und einem stabilen Netzwerk.“

Oberbürgermeister Ralf Schreiber überreichte zum Jubiläum 20 „Mittis“ – je ein kuschliges Maskottchen von Mittweida für jedes Jahr der geleisteten Arbeit. Mit dem Geschenk verband er den Wunsch, dass das Eltern‑Kind‑Zentrum Familien Halt und Stärkung bietet. „Wir benötigen funktionierende Familien“, betonte Schreiber und äußerte zugleich die Hoffnung, das Geburten‑Tief bald zu überwinden.

Zwölf Jugendliche des berufsvorbereitenden Jahres „Gesundheit und Soziales“ vom Freien Berufsschulzentrum „Fritz Müller“ in Mittweida sowie ihr Schulleiter Mirko Wende nutzten den Tag für eine praxisnahe Erkundung. In den Therapieräumen und Beratungsstellen arbeiteten sie an drei Fallbeispielen und gewannen konkrete Einblicke in Frühförderung, Behindertenhilfe und Familienberatung — eine wertvolle Brücke zwischen Ausbildung und beruflicher Praxis.

Mitmachen, ausprobieren und entdecken: Das Programm sprach Groß und Klein an. Ein Bewegungsparcours lud Kinder zum Balancieren ein. Auf den bunten, unterschiedlich hohen Hindernissen galt es, das Gleichgewicht zu halten. Kreativ ging es bei der Seifenherstellung zu: Ergotherapeutin und Linkshänder-Beraterin Julia Franke hatte aus Speisestärke, Flüssigseife und Lebensmittelfarbe eine knetbare Rohmasse vorbereitet. So entstanden unter Anleitung bunte Seifen in Blumen- oder Herzform.

Pfarrerin und Yogalehrerin Nina-Maria Mixtacki gestaltete eine Bewegungsgeschichte über Noah und die Arche. Zudem nutzten einige Erwachsene eine kurze Yoga‑Einheit für eine kleine Entspannungsinsel im Alltag. Beim Bilderbuch‑Kino über eine Schnecke und einen Buckelwal erfuhren die Kinder, dass auch kleine, leise oder langsame Wesen Großes bewirken können. Diese einfache Botschaft steht symbolisch für die Arbeit der Frühförderung: Behutsame, oft unscheinbare Unterstützung kann langfristig starke Wirkungen für Kinder und Familien entfalten.